Mehr als 300 Gäste bei Alternativer Ökokonferenz der FDP-Landtagsfraktion

Václav Klaus: Wachstum und Fortschritt zu stoppen hieße, die Menschen revolutionär zu stoppen

„Was ist eigentlich mehr bedroht, das Klima oder die Freiheit?“, diese Frage stellte Tschechiens ehemaliger Präsident Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Václav Klaus gleich zu Beginn seines Vortrages auf der inzwischen 3. Veranstaltung der Reihe „Fortschrittsoffensive“ der sächsischen FDP-Landtagsfraktion. Und die Antwort, die er gab, war eindeutig: „Wir sind Zeugen der Entstehung einer neuen linken Ideologie, die der freien Gesellschaft neue Fesseln anlegt.“ Der grüne Ökologismus sei nicht nur eine Bedrohung für die Freiheit, sondern auch für die unterentwickelten und Schwellenländer. Denn er verhindere, dass diese Länder ein ähnliches gesellschaftliches und wirtschaftliches Niveau erreichen können wie die westlichen Industrienationen.

FortschrittsoffensiveVáclav Klaus illustrierte damit sehr anschaulich den Titel „Ökowahn statt Umweltschutz – Wenn grüne Ideologien zum Dogma werden“ der Alternativen Ökokonferenz im Internationalen Congress Center Dresden. Zu Beginn hatte FDP-Fraktionschef und Gastgeber Holger Zastrow unter anderem den öffentlichen Umgang mit denen kritisiert, die sich zweifelnd mit dem vorherrschenden Ökomainstream auseinandersetzen. „Die Medien ignorieren uns standhaft, wir schaffen es nach wie vor höchstens in die Kommentar- und Glossenspalte.“ Und selbst das Umweltbundesamt stelle in einer jüngst veröffentlichten Broschüre Menschen mit anderen wissenschaftlichen Ansichten öffentlich an den Pranger. „Meinungsfreiheit muss aber auch für das Umweltbundesamt gelten“, so Zastrow. Zweifel am vorherrschenden Mainstream müssten erlaubt sein, und „wir haben Zweifel“, sagte der sächsische FDP-Vorsitzende.

Krahmer: Öko-Vorgaben aus Brüssel sinnlos oder sogar schädlich

Holger KrahmerBestätigt wurde das dann im Vortrag des sächischen FDP-Europaabgeordneten Holger Krahmer. Er verglich Sachsen mit dem kleinen gallischen Dorf aus den Asterix-Geschichten. „Und darauf bin ich stolz“, sagte Krahmer zu Beginn seines Referates. Der FDP-Umweltexperte machte anhand einer Reihe von Öko- und Klimaentscheidungen der EU-Kommission deutlich, dass der aktuell vorherrschende Ökowahn nichts mit sinnvollem Umweltschutz zu tun habe. Glühbirnen-Verbot, Wasserspar-Richtlinie, Ökodesign-Richtlinie, grüner Fußabdruck oder das geplante Wartungsverbot für Kühlanlagen mit Kältemitteln – Krahmer machte klar, dass fast alle gut gemeinten Öko-Vorgaben aus Brüssel sinnlos oder sogar schädlich sind. Besonders ins Visier nahm er die ständige Verschärfung der CO2-Richtlinen für Autos. Diese führe unterm Strich zu kleinen und am Ende zu gar keinen Autos. „Wir sollten uns als Deutsche auf die Hinterbeine stellen, wenn es in Brüssel um eine weitere Verschärfung der CO2-Richtlinie geht, denn diese gefährdet vor allem die deutsche Automobilindustrie“, warnte Krahmer.

Heller: Fortschritt entscheidet über Ressourcen

DPeter Hellerr. Peter Heller, Physiker und Mitbetreiber des Wissenschafts-Blogs „Science Skeptical“, ging in seinem Vortrag vor allem auf die vorhandenen Rohstoff-Ressourcen ein. Ginge es beispielsweise nach den Weltuntergangspropheten des „Club of Rome“ Mitte der 70er Jahre, dann gäbe es aktuell kein Kupfer, kein Quecksilber, kein Gold und natürlich auch kein Öl und kein Gas mehr. Die Fakten aber sähen anders aus. So gebe es in der Erdkruste etwa 10 hoch 15 Tonnen Erdöl. „Diese Reserven würden mehrere hunderttausend Jahre reichen. Allerdings steht mit der gegenwärtigen Technologie momentan nur ein Bruchteil zu Verfügung.“ Nicht der „Club of Rome“, sondern der technische Fortschritt entscheide, wie viele Ressourcen uns zu Verfügung stehen. „In Wirklichkeit sind es die Ressourcen der angeblich nachwachsenden Biomasse, die begrenzt sind. Wir haben einfach nicht genug Fläche, um beispielsweise die Ziele der „Energiewende“ zu erfüllen“, rechnete Heller vor. „Selbst wenn wir die gesamte zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschlands zur Erzeugung von Biomasse verwenden würden, könnten wir den vorgesehenen Biomasse-Anteil am Strombedarf nicht decken.“

Neubacher: Sehnsucht, Romantik und Angst statt Rationalität

Alexander NeubacherSPIEGEL-Redakteur und Bestseller-Autor Alexander Neubacher gab in seinem Vortrag dann die „kleinen und großen Irrsinnigkeiten des Ökologismus“ zum Besten. Dazu zählen in der Spülmaschine gereinigte Joghurt-Becher, die schließlich in der Müllverbrennungsanlage landen, Duschsparköpfe in Ländern mit Wasserüberschuss genauso wie das vom einstigen grünen Bundesumweltminister Jürgen Trittin eingeführte Dosenpfand. So habe der Anteil von Einweggetränken vor dessen Einführung in Deutschland 35 Prozent betragen. Aktuell liege er bei 65 Prozent. „Man kann mit Recht sagen, dass sich die Umwelt bis heute noch nicht von einem Umweltminister Trittin erholt hat“, sagte Alexander Neubacher. Bei der aktuellen Umweltpolitik gehe es nicht um rationale Argumente, sondern um Sehnsucht, Romantik und Angst. „Die gute Absicht immunisiert die Umweltschützer dabei gegen jede Kritik.“ Neubacher schloss mit der Feststellung: „Wir tun nicht zu wenig für die Umwelt, sondern vom Falschen zu viel.“

Klaus: Vorherrschende Klimadoktrin hat keine seriöse Grundlage

Tschechiens ehemaliger Staatspräsident Václav Klaus begann seinen Vortrag zunächst mit einem Rückblick. Im Jahr 2007 sei er schon mal in Dresden gewesen. Damals auf Einladung des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt. Diese Veranstaltung sei von „absurden Protesten“ begleitet worden. „Das ist inzwischen anders." Die Veränderung in der öffentlichen Debatte sei spürbar, was nicht zuletzt die herzliche Begrüßung auf der Alternativen Ökokonferenz der FDP-Fraktion zeige.

FortschrittsoffensiveVáclav Klaus setzte sich dann kritisch mit der gesamten Klimadebatte auseinander. Er bezeichnete die Diskussion vor allem um die CO2-Reduzierung als „Klimaalarmismus“. „Die vorherrschende Klimadoktrin hat keine seriöse Grundlage“, so Klaus. Vielmehr sei die Debatte Ausdruck des Strebens der ewigen Revolutionäre, die Welt mit Zwang zu verändern. Es sei die nächste Runde zwischen Liberalen und Etatisten über die Kontrolle der Menschen. „Die Ambitionen, das Klima zu ändern, sind nicht nur unnötig, sondern verschwenden vor allem Ressourcen, denn die CO2-Reduktion ist nicht freiwillig, sondern nur durch Zwang durchzusetzen.“ Václav Klaus zog einen interessanten Vergleich zwischen dem Zusammenbruch ganzer Industrien in Mittel- und Osteuropa nach dem Mauerfall und den CO2-Zielen der EU. Damals seien die Emissionen aufgrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in Mittel- und Osteuropa um 20 Prozent zurückgegangen. Die geplante Reduzierung um genau diese 20 Prozent würde von der EU einen ähnlichen industriellen Schock verlangen. „Dieses Denken ist zynisch“, sagte Václav Klaus. „Das hieße, Wachstum und Fortschritt und damit die Menschen revolutionär zu stoppen.“ Dieser Weg führe zu Unfreiheit, in der der Mensch nur am Rande stehe. „Wir müssen diesen Weg so schnell wie möglich verlassen.“

„Wir brauchen eine samtene Revolution in der EU“

In der anschließenden Podiumsdiskussion forderte der ehemalige tschechische Präsident dann mit Blick auf die gemeinsamen Erlebnisse von Tschechen und Sachsen im Wendeherbst 1989: „Wir brauchen eine samtene Revolution in der EU“. FDP-Europapolitiker und Umweltexperte Holger Krahmer forderte mehr Bemühungen zur Anpassung der Menschen an Klimaveränderungen statt sinnlosem CO2-Zirkus. Das hätten die Menschen seit einer Million Jahren so gemacht. Dr. Peter Heller ergänzte, dass wir uns besser an konkreten Wetterphänomenen statt an abstrakten Klima-Mittelwerten orientieren sollten. „Und dazu braucht es Freiheit“, so der Physiker. SPIEGEL-Autor Alexander Neubacher erklärte die mehrheitlich apokalyptisch geprägte öffentliche Berichterstattung: „Für uns Journalisten ist nichts schöner als die Aussicht auf den Untergang.“

(TRANSKRIPT): „Die Irrationalität und das Pharisäertum der Anhänger der Doktrin der globalen Erwärmung wachsen“ -  Vortrag von Václav Klaus auf der Alternativen Ökokonferenz

Die Fortschrittsoffensive

Videorückblick: Alternative Ökokonferenz der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag



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