- Experten und Politiker diskutierten im Leipziger „Marriott Hotel“
Kurz vor Beginn des Gesundheitsforums der FDP-Fraktion wurde es für die Mitarbeiter des Leipziger Marriott-Hotels noch richtig hektisch. Neben den bereits angemeldeten neunzig Teilnehmern hatten noch zusätzlich zahlreiche Ärzte, Apotheker, Vertreter von Krankenkassen, Verbänden und Institutionen aus der sächsischen Gesundheitsbranche den Weg ins Tagungszentrum des Marriott-Hotels gefunden, sodass noch reichlich Saalbestuhlung nachgeordert werden musste. Schließlich war der Saal mit rund 120 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt – beeindruckend auch für den Top-Redner des Abends Daniel Bahr, Gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
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Volles Haus im Leipziger Marriott-Hotel. Zum Gesundheitsforum der FDP-Fraktion waren rund 120 Teilnehmer in den Saal in Leipzig gekommen. |
Nach der kurzen Begrüßung durch den Leipziger FDP-Landtagsabgeordneten Sven Morlok war es dann auch Daniel Bahr, der mit seinem Einführungsreferat „Mehr Freiheit für unser Gesundheitswesen“ zunächst für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen eine Lanze brach. Nicht ungezügelter Markt – der sei im Gesundheitswesen völlig unangebracht – sondern fairer Wettbewerb erst würde Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser in die Lage versetzen, für ihre ehrliche, fleißige Arbeit auch gerecht und fair bezahlt zu werden. Das deutsche Gesundheitssystem hingegen, so wie es jetzt aufgestellt sei, bestrafe zum Beispiel durch Budgetierung die Fleißigen. Derzeit werde ein guter Arzt dafür bestraft, dass er ein guter Arzt sei. Denn je mehr Patienten er behandle, umso geringer werde letztlich der Lohn, den ein niedergelassener Arzt für seine Arbeit bekommt.
An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen dann neben Daniel Bahr die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag Kristin Schütz, der Chef der Sächsischen Landesapothekenkammer Friedemann Schmidt, Erik, Bodendieck von der Sächsischen Landesärztekammer und Dr. Michael Burgkhardt als niedergelassener Arzt und Leipziger Stadtrat teil.
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Kompetenter Gastredner auf der Veranstaltung
– Daniel Bahr, Gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. |
Während der Diskussion waren sich alle Teilnehmer vor allem darin einig, dass es momentan darum gehe, das Schlimmste in Form des geplanten Gesundheitsfonds zu verhindern. Dieser Fonds, so die einhellige Meinung der Diskutanten, schaffe nur noch mehr überbordende Bürokratie, vor allem für die niedergelassenen Ärzte, die bereits schon jetzt einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit Bürokratie und Papierkram verbringen.
Scharfe Kritik übte Kristin Schütz von der sächsischen FDP-Landtagsfraktion dann an den derzeit im Raum stehenden Regressforderungen, denen sich viele niedergelassene Ärzte in Sachsen wegen angeblicher Budgetüberschreitung gegenüber sehen. In einzelnen Fällen in Ostsachsen habe dies bereits dazu geführt, dass Landarztpraxen zeitweise geschlossen blieben, weil sich die betroffenen Ärzte ausschließlich um die Abwendung von Regressforderungen, anstatt um ihre Patienten kümmern mussten.
Heiß diskutiert wurde das Für und Wider der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Erik Bodendieck von der Sächsischen Landesärztekammer warnte davor, die MVZ als Allheilmittel gegen den Ärztemangel nach Vorbild der DDR-Polikliniken zu glorifizieren. Im Gegenteil, durch die Konzentration von Ärzten in einem MVZ komme es zur Facharzt-Ausdünnung in der Fläche, im Ländlichen Raum. Dr. Michael Burgkhardt, selbst Allgemeinmediziner, fügte hinzu, dass das Argument, man könne in Medizinischen Versorgungszentren beispielsweise gemeinsam Geräte nutzen, so nicht stimme, denn auch jetzt werde kein Arzt daran gehindert, organisatorisch zusammenzuarbeiten und beispielsweise Geräte eines anderen Kollegen mitzunutzen.
In ihrem Schlusswort wies Kristin Schütz schließlich darauf hin, dass das derzeitige „herumdoktern“ der Großen Koalitionen in Dresden und Berlin am deutschen Gesundheitswesen zu keiner tragbaren und gerechten Lösung führt, sondern lediglich die Kosten für alle Beitragszahler steigert, bei gleichzeitig schwindender Qualität. Nötig, so Schütz, seien nicht etwa weitere Schönheitsoperationen am System, sondern eine grundsätzliche Rosskur für unser Gesundheitswesen.
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Podiumsdiskussion mit
Kristin Schütz,
Erik Bodendieck,
Arndt Noack (Moderation), Friedemann Schmidt, Daniel Bahr, Dr. Michael Burgkhardt |


