Zeit ist überreif für eine Weiterentwicklung und Neuauflage der Hochschulentwicklungsplanung
Zum heute im Landtag behandelten CDU/FDP-Antrag "Sächsische Hochschullandschaft weiterentwickeln - zukunftsfähige Strukturen schaffen" erklärt Prof. Dr. Andreas Schmalfuß, Hochschulexperte der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag:
"Der Freistaat Sachsen hat eine breitgefächerte und leistungsstarke Hochschullandschaft. Spitzenleistungen werden sowohl an unseren Fachhochschulen und Universitäten als auch an der Berufsakademie Sachsen erbracht. Diese Spitzenplätze sind nicht nur auf die Quantität und Qualität der Forschung beschränkt, sondern sie werden auch in der Qualität der Lehre erreicht.
In Zeiten, in denen die finanziellen Spielräume geringer werden, müssen wir deshalb sorgfältig agieren. Die Bildungs- und Wissenschaftspolitik kann und darf sich der Realität und den dazugehörigen Veränderungsprozessen nicht verweigern. Die allgemeine Finanzsituation zwingt die Politik zum Nachdenken über unsere grundlegenden Strategien und Ziele.
Sachsen braucht weiterhin ein wettbewerbsfähiges und leistungsstarkes Hochschulsystem. Hier sind wir als Sächsischer Landtag gefordert, den Kurs der zukünftigen Hochschulentwicklung vorzugeben. Mit dem heute vorliegenden Antrag wollen wir als CDU und FDP die Diskussion über diesen Kurs beginnen.Die sächsische Hochschullandschaft muss an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Wir müssen sowohl geringere Studierendenzahlen betrachten als auch den zunehmenden Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck um Studenten, Forschungsmittel und Wissenschaftler. Wir müssen sowohl die Anforderungen der sächsischen Wirtschaft an die zukünftigen Fachkräfte im Blick behalten als auch die veränderte Nachfragesituation auf Seiten der Studenten.
Wie lange Strukturänderungen dauern können, wissen wir bereits aus der Vergangenheit. Wir wissen auch, welche Fehler dabei unbedingt vermieden werden müssen. Die letzte Hochschulentwicklungsplanung wurde durch die 1999 eingesetzte Kommission eingeläutet. Im Jahre 2001 lag deren Bericht mit den entsprechenden Empfehlungen vor. Die anschließende Abstimmung mit den Hochschulen hat allein weitere zwei Jahre gedauert. Sie mündete in den Hochschulvereinbarungen zwischen der Staatsregierung und den einzelnen sächsischen Hochschulen.
Und was ist aus den einzelnen Vereinbarungen geworden? Ein einziges Beispiel: Die vereinbarte Einstellung der Juristischen Staatsausbildung an der TU Dresden ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Zwar werden seit Herbst 2004 keine Studenten für das grundständige Staatsexamen mehr immatrikuliert, dennoch gibt es immer noch mehr als zehn Lehrstühle an der Fakultät.
Die Zeit ist überreif für eine Weiterentwicklung und Neuauflage der Hochschulentwicklungsplanung. Ganz sicher erwarten wir als FDP-Fraktion ein Konzept, welches langfristig die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des sächsischen Hochschulwesens sichert. Eine nüchterne Betrachtung der Entwicklung einzelner Fächerangebote muss erfolgen. Entscheidungen zu ganz bewussten Profilierungen von Studienangeboten, egal ob standortübergreifend oder -spezifisch, müssen auf den Tisch.
Und wir müssen in Sachsen auch neue Wege gehen: Beispielsweise sollen einzelne Fachbereiche forschungsstarker Fachhochschulen ein eigenständiges Promotionsrecht erhalten. Wir müssen Spitzenforschern auch an den Fachhochschulen neue Perspektiven eröffnen, um so den Wissenschaftsstandort Sachsen weiter zu stärken. Gerade überdurchschnittlich qualifizierte Absolventen sind verstärkt in die Forschungsaktivitäten zu integrieren.
Es geht unterm Strich nicht darum, gewachsene Strukturen zu zerstören. Es geht vielmehr darum, bestehende und gut funktionierende Strukturen weiter zu stärken. Die Vernetzung sowohl zu außeruniversitären Einrichtungen als auch zur regionalen Wirtschaft müssen weiter ausgebaut werden. Klar ist auch, dass das Ganze ohne Prioritätensetzung nicht umzusetzen ist."




