Demografiefaktor berücksichtigt demografische Entwicklung
In Sachsen 200 zusätzliche Arztstellen möglich

Der Gemeinsame Bundesausschuss als oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland hat am 15. Juli die Aufnahme eines Demografiefaktors in die Bedarfsplanung beschlossen. Die neue Regelung sieht vor, dass die Anzahl der Ärzte in einer bestimmten Region nicht mehr allein nach der Einwohnerzahl bestimmt wird, sondern auch die Altersstruktur der Bevölkerung Berücksichtigung findet. Wenn das Bundesgesundheitsministerium diesen Beschluss rechtlich nicht beanstandet, tritt dieser in Kraft. Dazu erklärte Kristin Schütz, Sprecherin für Demografie und Sozialpolitik der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag:
"Dieser Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses geht in die richtige Richtung. Künftig wird der erhöhte haus- und fachärztliche Versorgungsbedarf der älteren Menschen in der Bedarfsplanung mit berücksichtigt. Die Zahl der notwendigen Ärzte in einer Region allein anhand der Einwohnerzahl festzumachen wird der demografischen Entwicklung der Gesellschaft nicht mehr gerecht. Ältere Menschen haben einen erhöhten Versorgungsbedarf, müssen häufiger beraten und unterstützt werden. Dieser qualitative Aspekt des Versorgungsbedarfs soll künftig den rein quantitativen Aspekt der Bevölkerungszahl ergänzen.
Dass es demnächst zusätzliche Arztstellen auch in solchen Gebieten gibt, die nach derzeitiger Bedarfsplanung zwar als überversorgt gelten, in denen praktisch aber Ärztemangel herrscht, kommt vor allem Sachsen zugute. Es ist das Bundesland mit der ältesten Bevölkerung. Nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen sind nach den aktuellen gesetzlichen Vorgaben insgesamt 238 Zulassungen in Sachsen möglich. Wird der Altersfaktor der Bevölkerung künftig mit einbezogen, können zusätzliche 200 Arztstellen zugelassen werden. Damit hat man sich zugunsten der Bedürfnisse der Bevölkerung von den alten, starren Verteilungsstrukturen gelöst."



